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Im 5. Anlauf ein Ja: Vor 60 Jahren endete die Basler Männerdemokratie

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Am 26. Juni 1966 geschah in Basel-Stadt das nicht mehr sehr Überraschende: Die Männer stimmten dem kantonalen Stimm- und Wahlrecht für die Frauen zu – als erster Kanton der Deutschschweiz. Der Abstimmungskampf war allerdings lustlos verlaufen, und die Stimmbeteiligung blieb mit 34,5 Prozent bescheiden. Ab 1967 kamen 85’000 Stimmbürgerinnen hinzu. Zu den ersten Volksabstimmungen, an denen sie teilnahmen, gehörte der Bau der St. Jakobshalle, und die gegnerische Propaganda witterte sogleich die Chance, die Frauen für sich einzunehmen.

Eva Gschwind

Regierungspräsident Alfred ab Egg brachte es im Februar 1966 vor dem Grossen Rat auf den Punkt: «Wohl sagt man: Eile mit Weile. Aber Weile haben wir jetzt genügend gehabt, es ist jetzt Zeit für die Eile». Die Regierung beantragte im Sinne eines Gegenvorschlags, die (männlichen) Stimmberechtigten direkt über die Einführung des Frauenstimmrechts abstimmen zu lassen. Statt den Umweg zu nehmen: Nämlich nur über jene Volksinitiative abzustimmen, die 1957 vom Frauenstimmrechtsverband eingereicht worden war und die eine gemeinsame Abstimmung der Frauen und Männer über das Frauenstimmrecht ermöglichen wollte. Der Grosse Rat folgte dem Antrag.

Fünf Anläufe und eine Konsultativabstimmung

Es hatte nach der ersten Volksabstimmung von 1920 vier weitere Abstimmungen gebraucht: 19271946, 1954 und eben 1966; nun resultierte eine 60-Prozent-Mehrheit. Vonseiten Regierung und Parlament war die mehrheitliche Unterstützung bei jedem der fünf Anläufe da  jedenfalls offiziell. Dem Anliegen schadete aber zweifellos, dass es wiederholt von kommunistischer Seite kam. Ausserdem hielt neben den bürgerlichen Parteien auch ein namhafter Teil der Arbeiterschaft lange an einer patriarchalen Geschlechterordnung fest. Die Abstimmungsplakate von damals sprechen eine klare Sprache: 1927 etwa liegt ein vernachlässigtes Kind neben dem Kinderwagen. 1946 klebt eine überdimensionierte Fliege am Nuggi. 

Trotz männlicher Besitzstandwahrung ging Basel-Stadt im Februar 1954 aber erstaunliche Wege: Gegen 77’000 Frauen durften sich äussern, ob sie das Stimm- und Wahlrecht überhaupt wollen. Die pragmatische Idee einer Frauenbefragung war im Ständerat eingebracht worden, von diesem aber verworfen worden. Der Grosse Rat hingegen sprach dafür den nötigen Kredit, und an der Urne warfen 73 Prozent der teilnehmenden Frauen ein Ja ein. Nur – es nützte nichts. Der Wille von über 33’000 Frauen zählte nichts, im gleichen Jahr folgte in einer «richtigen» Abstimmung das vierte Männer-Nein.

Bösartiges Nein-Plakat zur Abstimmung von 1946 (Bild zVg: Plakatsammlung SfG Basel, CH-000957-X:11208)
Fröhliches Ja-Plakat zur Konsultativabstimmung von 1954 (Bild zVg: Plakatsammlung SfG Basel, CH-000957-X:1457)

Die ersten Abstimmungen mit (tiefer) Frauenbeteiligung

Am 2. Juli 1967 durften die neuen Stimmbürgerinnen erstmals für Sachabstimmungen an die kantonalen Urnen, nachdem sie zuvor bereits an einer Ersatzwahl ins Strafgericht teilnehmen konnten. Die Frauen bildeten mit fast 85’000 nun die klare Mehrheit gegenüber den knapp 67’000 männlichen Stimmbürgern. Abzustimmen war über die Korrektion der St. Jakobsstrasse und den Bau der Sporthallenanlagen St. Jakob. Die dritte Vorlage betraf Geld für eine staatliche Informationskampagne über den Gesamtverkehrsplan der Stadt Basel. Die gegnerische Propaganda gegen die St. Jakobshalle versuchte gezielt, an die Frauen zu appellieren, indem sie in Inseraten «An alle Mütter!» behauptete, der «Sportpalast» diene dem Schausport, statt der breiten Bevölkerung und den Kindern.

Die neu stimmberechtigten Basler Mütter wurden sogleich angesprochen: Inserat gegen den Bau der St. Jakobshalle, National-Zeitung, 29. Juni 1967

Gemäss der ‹National-Zeitung› betrug die Stimmbeteiligung bei den Frauen nur 25 bis 26 Prozent; zusammen mit den Männern lag sie bei gut 31 Prozent. Generell konnten die Frauen die in den 1960er Jahren rekordtiefe Stimmbeteiligung nicht anheben. 

Eingang in die Basler Geschichte fand aber das zweite Abstimmungswochenende mit Frauenbeteiligung im Dezember 1967: Basel-Stadt stimmte über den Kauf von zwei Picasso-Bildern ab und rettete die berühmten Gemälde für das Kunstmuseum. Dies nach einer spektakulären Sammelaktion, an welcher sich die ganze Stadt beteiligte.

Es hatte ein klares Ja gegeben: Die St. Jakobshalle 1972 im Bau (Foto: ETH E-Pics)

Banner-Foto: Fackelzug von Frauen im Jahr 1960: StABS, BSL 1013 1-1294 17 (Hans Bertolf)